Sujetbild E-Bilanz

E-Bilanz

Ab dem Veranlagungszeitraum 2013 müssen im Grundsatz alle bilanzierenden Körperschaften, Personengesellschaften und Einzelunternehmer erstmals E-Bilanzen nach § 5b EStG erstellen und übermitteln. Das Bundesministerium der Finanzen ist nach § 51 Abs. 4 Nr. 1b EStG ermächtigt, im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder den Mindestumfang der nach § 5b EStG elektronisch zu übermittelnden Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung zu bestimmen. Auf dieser Grundlage legt die Finanzverwaltung durch BMF-Schreiben und weitere Veröffentlichungen insbesondere auf eSteuer.de die Regeln für die Erstellung und Übermittlung der E-Bilanzen fest. Diese werden laufend an neue Normen und auf Grund einer noch längst nicht abgeschlossenen Lernphase angepasst. Dies führt zu einer komplexen Versionierung von Taxonomien1 und ERiC-Kontrollmodulen. Notwendige Korrekturen werden nach unserer Beobachtung häufig nur in den neusten Taxonomien vorgenommen. Für den praktischen Umgang mit E-Bilanzen benötigt man aus diesem Grunde umfassende Kenntnisse der unterschiedlichsten Informations- und Rechtsquellen, ein gutes Verständnis der handels- und steuerrechtlichen Rechnungslegung sowie weitreichende IT-Kenntnisse.

Die handelsrechtliche und steuerrechtliche Rechnungslegung besitzt viele Freiheitsgrade und Vieles für das es weit mehr als eine anerkannte Lösung gibt. Diese Vielfalt in einem „einheitlichen“ Verfahren einzufangen, ist für die Finanzverwaltung und damit auch für Toolhersteller, Berater und Steuerpflichtige, eine nur schwer beherrschbare Aufgabe. Einfache Fälle (Kapitalgesellschaften, die kein negatives EK besitzen und keine Ergebnisverwendungsrechnung nutzen) erscheinen noch beherrschbar, insbesondere für wenig Geübte. Komplexere Fälle bergen insbesondere bei E-Bilanzprojekten mit nur geringen Budgets ein erhebliches Risiko, dass unvorhersehbare und unbekannte Fehler auftreten, die nur mit erheblichem Know-how und Erfahrung in halbwegs vertretbarer Zeit gelöst werden können.

Als Steuerpflichtiger oder Berater kann man ohne ausreichende Erfahrung oft nicht ermitteln, wer der Verursacher dieser häufig auftretenden Probleme ist. Teilweise sind das Konzept und die Dokumentation der E-Bilanzregeln noch unvollständig oder sogar fehlerhaft. Teilweise reagieren die ERiC-Kontrollmodule anders als beschrieben oder schlicht auch fehlerhaft. Teilweise sind die verfügbaren Tools noch nicht ausgereift oder noch nicht hinreichend anwenderfreundlich ausgestaltet. Teilweise fehlt es den Steuerpflichtigen oder den Beratern auch am notwendigen Überblick oder es werden einfache Fehler gemacht, die später nur schwer identifiziert werden können (Beispiel: Adressdaten enthalten am Ende eine Leertaste, die zu kaum verständlichen Fehlermeldungen von ERiC oder des interpretierenden Tools führen).

Nach unserer Beobachtung sind auch zum Jahresende 2014 viele und insbesondere die komplexeren E-Bilanzen noch nicht übermittelt worden. Ein großer Teil der Arbeit wird also in das neue Jahr vorgetragen und beeinträchtigt so die steuerliche Bearbeitung des Veranlagungszeitraums 2014. Fehler- und Problemlösungssammlungen sortiert nach Sachverhalten werden von der Finanzverwaltung im Wesentlichen nur Herstellern und interessierten Beratern bereit gestellt. Lediglich eine inhaltlich schwer verständliche Liste bekannter Fehler kann auf eSteuer.de eingesehen werden. Nicht für alle dort genannten Fehler gibt es brauchbare Übergangslösungen, die sofort und nicht erst in Folgeversionen für spätere Veranlagungszeiträume greifen. Oft wird in dem Herstellerforum auch auf ebenfalls schwer verständliche und aus unserer Sicht auch nicht ausreichende technische Leitfäden und weiteres Material verwiesen, die keine Lösungen und nur unvollständige Sammlungen der Regelungslogik enthalten und offensichtlich nicht nur den normalen Steuerpflichtigen und Berater sondern auch den ein oder anderen Programmierer überfordern.

Rückfragen bei den Toolherstellern führen auch nur selten zu sofortigen Problemlösungen und setzen oft die Übermittlung der gesamten Falldaten voraus, was mindestens für Berater aus Verschwiegenheitsgründen mehr als problematisch erscheint. Anfragen bei den zuständigen Stellen der Finanzverwaltung werden nach unserer Beobachtung kaum oder nur mit erheblichen Verzögerungen beantwortet. Anfragen bei den Veranlagungsfinanzämtern führen ebenfalls nur selten zu belastbaren fachlichen und technischen Lösungen. Nur über diesen Kontakt können allerdings Erleichterungen oder Härtefälle im Einzelfall geklärt werden.

Jedes Unternehmen, das selbst E-Bilanzen erstellen möchte, sollte u.E. sehr genau prüfen, ob es genügend Zeit und Erfahrungswissen bereithalten kann und will, um bei den vielfältigen und vielschichtigen Problemen in vertretbarer Zeit eine Lösung herbeiführen zu können. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass nicht jede E-Bilanz, die die technische ERiC-Prüfung übersteht (validierbare E-Bilanz), auch eine fachlich einwandfreie ist. Spätere Nachfragen durch die Finanzbehörden, sei es auf Grund nicht ausreichender Transparenz und Detaillierung, oder auf Grund von Widersprüchen, die nur im Abgleich mit weiteren E-Bilanzen (z.B. Vorgängerbilanzen, andere Bilanzen aus einer zusammenhängenden Bilanzenschar) oder Steuererklärungsdaten festgestellt werden können, führen dann ggf. erst deutlich später zu aufwendigen Nachfragen und Korrekturzwängen.

Wir haben bereits diverse E-Bilanzen mit unterschiedlichsten Tools validierbar erstellt und übermittelt. Außerdem beschäftigen wir uns nachhaltig wissenschaftlich bereits seit dem Jahr 2010 mit diesem Themengebiet.

Auf dieser Basis bieten wir Ihnen gern hochqualitative Unterstützungsleistungen in diesem Themenbereich an. Wenn Sie Unterstützung in Form eines Initialisierungsprojektes mit korrespondierender Anpassung der Rechnungslegung, der laufenden Erstellung und Übermittlung (gerne auch in Kooperation mit dem eigenen Steuerberater) von insbesondere komplexen E-Bilanzen und zur Lösung akuter Probleme benötigen, sprechen Sie uns bitte gerne an. Auf Wunsch nehmen wir auch gutachterlich dazu Stellung ob, wann und wie Sie E-Bilanzen erstellen und übermitteln müssen oder ob eine bestehende E-Bilanz ordnungsgemäß ist. Toolherstellern bieten wir Qualitätssicherungsleistungen an und unterbreiten auch Vorschläge zu einer kundenfreundlichen Weiterentwicklung.

 

Ansprechpartner

In allen Fragen zur E-Bilanz stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Graf Kerssenbrock


Wirtschaftsprüfer
Steuerberater
Rechtsanwalt

Tel. 040/37601-2268

Wieland Kirch

Wirtschaftsprüfer
Steuerberater
 
 

Tel. 040/37601-2268

 

Literaturbeiträge

MicroBilG - Rohrkrepierer wegen E-Bilanz?

Autor: Wieland Kirch
Die Steuerberatung (Stbg), Heft 9/2012, Editorial, ISSN 0490-9658

E-Bilanz: Quo vadis?

Autoren: Dr. Otto-Ferdinand Graf Kerssenbrock
Die Steuerberatung (Stbg), Heft 8/2012, Editorial, ISSN 0490-9658

§ 5b EStG: Folgen für Unternehmen und Beratung

Autoren: Wieland Kirch, Dr. Otto-Ferdinand Graf Kerssenbrock
Die Steuerberatung (Stbg), Heft 6/2012, ISSN 0490-9658

Zur Qualität der Daten einer E-Bilanz

Autoren: Wieland Kirch, Dr. Otto-Ferdinand Graf Kerssenbrock
Die Steuerberatung (Stbg) vom 19.09.2011, S. 392 ff., Heft 9/2011, ISSN 0490-9658

E-Bilanz, Steuertaxonomie und E-Steuererklärung schon reif für die Praxis?

Autor:Wieland Kirch, Dr. Otto-Ferdinand Graf Kerssenbrock
Die Steuerberatung (Stbg) vom 20.06.2011, S. 241 ff., Heft 6/2011, ISSN 0490-9658

Auf insgesamt ca. 8 Zeitschriftenseiten werden zunächst die Begriffe E-Bilanz, Taxonomie und E-Steuererklärung erläutert. Sodann wird auf einige der Probleme der zeitlich inkongruenten Einführung von E-Bilanz und E-Steuererklärung eingegangen. Anschließend werden Fragen der Praxis zum Umgang mit künftigen Änderungen der Taxonomie erläutert.

E-Bilanz-Überleitungsrechnung – Ein Selbstgänger?

Autoren: Wieland Kirch, Dr. Otto-Ferdinand Graf Kerssenbrock
Online: http://www.schomerus.de/content/hauptinhalt/leistungsangebot/e_bilanz_in_hamburg/e_bilanz_%C3%BCberleitungsrechnung_ein_selbstg%C3%A4nger_/index_ger.html

 

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1 Eine Taxonomie (altgr. Táxis = Ordnung und nómos = Gesetz) oder Klassifikationsschema ist nach wikipedia.de ein einheitliches Verfahren oder Modell, um Objekte eines gewissen Bereichs (ggf. unter Zuhilfenahme eines Klassifikationsinstruments) nach bestimmten Kriterien zu klassifizieren, d. h. sie in bestimmte Kategorien oder Klassen (auch Taxa genannt) einzuordnen. Der Begriff ist nicht aus dem englischen Begriff „tax“ für Steuern abgeleitet. Eine Taxonomie definiert verschiedene einzelne Elemente, z.B. Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung und deren Beziehung zueinander. Die steuerlich einzuhaltende Taxonomie ist letztlich der für Zwecke der elektronischen Übermittlung der Daten einer Steuererklärung zu verwendende, von der Finanzverwaltung vorgegebene Mindeststandard des Kontenrahmens.